DSA5 – Magie und Götterwirken angleichen?

dsa5logoStellen Sie Sich mal vor, Sie spielen Mensch-Ärgere-Dich und plötzlich meint einer der Spieler, es würde sich „ingame“ besser anfühlen, wenn die roten Pöppel immer mit zwei Würfeln würfeln dürfen. Sie würden mit dem Kopf schütteln, oder? Sie würden es nicht verstehen. Regel ist Regel! Oder etwa nicht? Wie kann sich etwas, was als SPIELregel dazu dient, Regelmechanismen für alle Spieler gleichermaßen gültig zu stellen, für jemanden plötzlich „falsch“ oder „nicht richtig“ anfühlen, während alle anderen kein Problem damit haben? Ich gehe noch einen Schritt weiter, denn es geht ja hier um DSA5, das 2014-neuer-besser-toller-DSA…

Ganz ehrlich? Ich wollte schon die Flinte ins Korn werfen und DSA nach 25 Jahren Treue endgültig in die Tonne treten. Da kam der Blogeintrag der Beilunker Reiter [ Link ] zur rechten Zeit. Hier wird unter anderem davon gesprochen, dass das eh schon nervig komplizierte Magiesystem und das noch nerviger verkomplizierte Liturgiesystem aneinander angeglichen werden sollen. Und zwar magieregellastig. Gut so! Denn nur so kann’s gehen, den meisten Spielern, mit denen ich gesprochen oder gemailt habe, wieder eine Grundlage zu bieten, einen Magier oder Geweihten spielen zu wollen. [Stimme aus dem Off: Ach was ?? ] …

Jaja, auch wenn sich eine Handvoll (2W20?) Spieler/Fans/Regelfüchse in verschiedenen Foren (aber doch eindeutig erkennbar) als selbsternannte DSA-Regel-und-Sittenwächter darstellt, liegt die Wahrheit – wie schon Mulder wusste – irgendwo da draußen. Und „da draußen“ haben gefühltermaßen mehr Leute diese unsäglichen Magie- und unsäglicheren Liturgieregeln längst in die Tonne getreten. Magisch Begabte werden kaum noch, Geweihte überhaupt nicht gespielt. Weil die Regeln einfach zu kompliziert und nicht gleich sind! Was ist daran so schwierig zu verstehen, dass man auf der einen Seite die gleichen Regelmechanismen und auf der anderen Seite ein völlig anderes Spielgefühl haben kann?

Vier Beispiele:
OUTGAME – Die Regeln…
a) Alrik der Dieb will eine Mauer hoch klettern, 3W20-Probe auf „Klettern“, Check, geschafft
b) Alrik der Magier will einen Flim-Flam wirken, 3W20-Probe auf „Flim-Flam“, Check, geschafft, AsP abziehen
c) Alrik der Schmied will einen Dolch schmieden, 3W20-Probe auf „Schmieden“, Check, geschafft
d) Alrik der Geweihte will um einen göttlichen Blendstrahl bitten, 3W20-Probe auf „Blendstrahl erbitten“, Check, geschafft, KaP abziehen

Wirkt irgendwie alles gleich. Eingängig. Isses aber INGAME nicht !!!

INGAME – Der Fluff

a) Ich spanne meine Muskeln an, knacke mit den Fingergelenken und setze vorsichtig und mit Bedacht einen Fuß vor den anderen, immer höher, meine Finger krallen sich in Mauervorsprünge und Wurzelwerk. Dann bin ich oben auf der Mauerkrone …
b) Ich konzentriere mich auf die Formel, murmel ein paar Worte in meinen Bart und vollführe die benötigte Geste, die Luft knistert ein wenig und dann erscheint auf meiner Handfläche der kleine, leuchtende Ball …
c) Ich heize die Esse an und stelle mir alle Werkzeuge bereit, mit Schweiß und Ruß im Gesicht, auf Händen und nacktem Oberkörper bearbeite ich das Eisen auf dem Amboss. Langsam kommt das Metall in Form, den glühenden Stahl kühle ich im Wassereimer und fertig ist die Klinge …
d) Ich stelle Kerzen auf und lege mein „Praios-sei-mein-Hirte“-Gewand an, wälze mich zuckend auf dem Boden, atme Weihrauch und andere Esseenzen ein, während der Gospel-Chor im Hintergrund gebetsmühlenartig immer wieder „Praios, wir loben Dich“ in A-Dur singt. Ich fühle, wie mich die Kräfte des Gottes – meines Gottes – durchströmen, wie er mir seine Kraft und Macht schenkt, ich fühle mich glücklich und meinem Gott nahe … und BUMMS, Blendstrahl !!!

Na bitte, geht doch !!!

Man sollte halt immer zwischen den REGELN und dem SPIEL unterscheiden. Scheint aber für manche echt schwierig zu sein.

Wunschzettel für DSA5 (Teil 1): Lieber DSA-Nikolaus, ich wünsche mir in Bezug auf Magie- und Liturgien-Regeln, dass diese vereinfacht und vor allem vereinheitlicht werden (mit Ruck in Richtung Magie-REGELN), dass ein Stufe-1-Geweihter vernünftig in einer HELDENgruppe spielbar und nicht nur „stimmungsvolle Fluff-Staffage“ ist, sondern auch im Abenteuer was anderes zustande bringt, als Gräber, Kinder oder Waffen segnen, dass die Regeln so einfach aufgebaut werden, dass man Zauberkundige und Geweihte spielen kann, ohne eine Doktorarbeit in DSA lesen zu müssen aber dennoch so modular/optional erweitert werden können, dass Fluff-Spieler auf ihre Kosten kommen, indem sie genau diese Doktorarbeit lesen und spielen können.

Ach ja – ich glaube NICHT, dass Geweihte mit einer Vereinheitlichung der REGELN zu Karma-Zauberern werden. REGELN und SPIELGEFÜHL sind immer noch zwei Paar Schuhe.

Genug für heute. Bis zum nächsten Mal!

4 Gedanken zu „DSA5 – Magie und Götterwirken angleichen?

  1. Dass Magiebegabte aktuell überall auf Ablehnung stoßen ist auf jeden Fall mal eine sehr… *spezielle* Ansicht, bei der ich in Frage stellen möchte, wer von uns nun da in der kleineren Filterbubble lebt. Als jemand, der in mehreren über Deutschland verteilten Runden spielt und via Teamspeak diversen weiteren Runden immer mal wieder zuhört begegnen mir komplett magie- und geweihtenlose Runden auf jeden Fall ziemlich selten.

    1. Danke Cifer … nunja, ich stütze meine Erfahrung auf rund gerechnet 80-90 aktive Spieler, mit denen ich mal mehr mal weniger zu tun habe. Als ich 1989 mit DSA2 angefangen habe, waren Magiebegabte in jeder Runde vertreten, mit DSA3 hielten sich Magiebegabte und Geweihte ungefähr das Gleichgewicht. Seit DSA4 kann ich einen stetigen Rückgang dieser beiden Heldentypen beobachten, wobei die Geweihten – vornehmlich die Klassiker Rondra und Phex, aber auch Swafnir (!) und Hesinde – eher verschwunden sind. Die Magiebegabten folgten sehr schnell und sind nun eher selten. Bei allen Leuten, die gerne früher Magiebegabte oder Geweihte gespielt haben, wird die Unlust darauf durch das Regelwerk erklärt. Wie „groß“ unsere beiden Bubbles sind, kann ich recht schlecht abschätzen, wer da mehr oder wer da weniger Kontakte hat. Ich gebe hier meinen ganz persönlichen Eindruck wieder, der sich aus der Teilnahme als Gastspieler in fremden Runden, in meinen eigenen Runden, durch Telefonate und Mails und Gesprächen auf entsprechenden Veranstaltungen ergeben hat.

  2. Ich hoffe, dass wenn eine Vereinheitlichung erfolgt, diese klar Richtung der deutlich einfacheren Liturgieregeln erfolgt!

    Nur ein Wert, auf den beim Zaubern würfeln muss (oder meinetwegen eine Handvoll, wenn man es nach Zauberarten unterteilt) finde ich deutlich einfacher als für jeden Zauber separate Werte vorzuhalten.

    Zudem macht es das Steigerungssystem intuitiver: Derzeit müssen die Steigerungskosten für die Zauber künstlich niedrig gehalten werden, damit Zauberer keine totalen AP-Gräber werden.
    Wenn man hingegen eine Talent „Zaubern“ hat, dann kann das ruhig angemessen teuer sein.

Schreibe einen Kommentar zu flippah Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.