Atopisches Geschwafel 48-2013: Bin ich ein Fanboy?

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Fanboy. Was für ein kruder Begriff. Was bedeutet das überhaupt, wenn jemand einen anderen Fanboy (oder Fangirl) nennt? Ist das jetzt abwertend gemeint? Oder löblich? Ist jemand bereits ein Fanboy, wenn er eine TV-Serie, einen Fußballverein oder ein Comuptersystem gut findet? Oder ist man dann „nur Fan“ ? Wo ist die Grenze zwischen „Fan“ und „Fanboy“?

Die Frage stellt sich mir, seit man mich – ob bewusst oder unbewusst – im Perry-Rhodan-Verlagsforum in die Ecke „Fanboy“ geschoben hat. Und das auch nur, weil ich einen anderen User gefragt habe, was er am aktuellen Roman langweilig fand. Für mich eine einfache Frage und kein Indikator für die Fanboy-Ecke. Für mich persönlich ist der Begriff völlig negativ belegt, und daher hab ich mich mal auf die Suche gemacht, was den Fan vom Fanboy unterscheidet und ob ich mich angepisst fühlen soll oder nicht.

„Fan“ kommt vom Wortbegriff her von „fanatisch“ bzw. „Fanatiker“ (und nicht von „Fanta“, auch wenn das immer noch einige zu glauben scheinen). Hier muss man dann aber unbedingt unterscheiden, dass nicht ( !!! ) der politisch motivierte Fanatismus gemeint ist. Daher gibt es zum Bleistift im englischen Sprachraum die Unterscheidungen in „Fanatic“ (politisch) und „Supporter“ (zB die Fans einer Fußballmannschaft). Der deutsche Sprachschatz macht’s mal wieder möglich. Die Herleitung von „Fanatiker“ dürfte auch der Grund sein, warum das Wort „Fan“ und in meinem Fall speziell „Fanboy“ einen negativen Beigeschmack hat.

Es ist schon merkwürdig – würde mich jemand als „Perry-Rhodan-Fan“ bezeichnen, hätte ich kein Problem damit. Sagt aber jemand „Perry-Rhodan-Fanboy“ zu mir, fühle ich mich herabgesetzt und diffamiert (aber immer noch besser, als wenn jemand „Fangirl“ zu mir sagen würde…).

Egal in welchen Foren man sich herumtreibt, Fanboys gibt’s wohl überall. Ich glaube, man kann diese Art Mensch als „Super-Fan“ bezeichnen, der alles gut und toll findet. Eine kompromisslose Anhängerschaft sozusagen. Einer, der Fakten ignoriert und versucht, Gegenargumente durch Verschleierung, Tatsachenverdrehung oder notfalls durch Beleidigung anderer so hinzubiegen, dass sie in sein Weltbild passen. Und nein, so einer bin ich nicht und will es auch nicht sein.

Bleiben wir beim Beispiel Perry Rhodan und treiben es mal auf die Satire-Spitze … es ist eine Tatsache, dass es Autoren gibt, die dem einen besser, dem anderen schlechter gefallen. Es ist eine Tatsache, dass es Handlungsebenen gibt, die dem einen besser, dem anderen schlechter gefallen. Es ist eine Tatsache, dass es Zyklen gibt, die dem einen besser, dem anderen schlechter gefallen.

Wenn ich also hergehe und sage „Der Linguiden-Zyklus hat mir nicht gefallen, so dass ich nach knapp der Hälfte aufgehört habe zu lesen“, würde mir der „Fan“ antworten „Ich fand den Zyklus gut, dieses und jenes daran war spannend, dieser und jener Autor hat mit Roman XYZ einen richtig guten Roman geschrieben – versuch es doch jetzt noch mal neu, vielleicht gefällt er Dir jetzt aus der Distanz doch ganz gut.“ … der Fanboy würde sagen „Boah ey, Du hast doch gar  keine Ahnung von Perry Rhodan! Das war der beste Zyklus ever! Vor allem die Montillon-Romane waren super!“ Äh, Herr Montillon hat damals noch gar nicht mitgeschrieben? Fanboy: „Sag ich doch, Du hast gar keine Ahnung, hau ab Du Sack und lass Deinen geistigen Dünnschiss woanders los!“

[Überspitzungsmodus off]

Nein, ich will kein Fanboy sein. Ich bin auch keiner. Und der negative Beigeschmack bleibt. Ich verteidige weder Perry Rhodan, noch „Das Schwarze Auge“, NCIS LA, Windows 7, Katzen, den Amazon Paperwhite, Sardellen-Pizza oder Borussia Dortmund mit Händen und Füßen. Hier bin ich Fan.Und kein Fanboy. Und das ist gut so.

2 Gedanken zu „Atopisches Geschwafel 48-2013: Bin ich ein Fanboy?

  1. Haha, um allem die Spitze aufzusetzen: offenbar hab ich im Linguiden-Zyklus doch schon mitgeschrieben! Zumindest hat mir jemand neulich in der 5. Auflage oben die Oberzeige gezeigt, in der der Autorenname steht – da war ich seltsamerweise in irgendeinem Heft des Linguidenzyklus auf einer Seite genannt. Bizarre Zusammenhänge tuen sich auf …!
    :-)
    Im Ernst: Richtig so. Dein Text ist gut.

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