Timewatch (Sommerhalbjahr 18, Tag 01)

 

Da sind wir also wieder. Die Damen und Herren von der Zeitüberwachungsagentur. Einige Teammitglieder sind in Rente oder haben das Team gewechselt, und so lag es an Mr. White und mir (Ron O’Landry, Ex-Maschinist auf der TITANIC), neue Kollegen zu rekrutieren.

 

Unsere erste Misson führte uns in die Zeit um 1529 nach Wien zur Zeit der ersten Türkenbelagerung der Stadt. Hier retteten wir einen Tiroler Bergbauingeniuer aus einem einstürzenden Tunnel unter der Stadt, mit dem türkische Mineure heimlich in die Stadt eindringen wollten.

 

An der zweiten Mission, bei der wir eine englische Hebamme für unsere Sache gewinnen konnten, durfte ich nicht teilnehmen, weil die Dame – genau wie ich – von der TITANIC gerettet wurde. Hier wäre die Möglichkeit eines Zeitparadoxons, bei dem ich mir selbst begegne, zu riskant gewesen.

 

Die dritte Mission hatte für mich einen schalen Beigeschmack. Wir rekrutierten – unter Protest und ausschließlich auf Anweisung unserer Auftraggeber – einen SS-Offizier, der 1946 im Rahmen der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse gegen das Nazi-Regime hingerichtet werden sollte. Diese Aufgabe konnten wir mit Hilfe eines geklonten Leichenduplikats bewerkstelligen.

 

Somit waren wir komplett. Und eigentlich wollten wir nur in’s Jahr 1991 nach Wien, um ein wenig im Prater beim Heurigen und Schrammelmusik abzuhängen. Aber leider …

 

… machte Wien einen fürchterlich orientalischen Eindruck. Der Stephansdom hatte ein Minarett! Verschleierte Damen! Basare! Kamel-Droschken! Und in einer Zeitung konnte man aus den Artikel herauslesen, dass das Osmanische Reich vom Bosporus bis zur Atlantik-Küste reichte! Was war geschehen???

Holzschnitt von Wien aus der Schedel'schen Weltchronik, Blatt 98v/99r, This work is in the public domain in its country of origin and other countries and areas where the copyright term is the author's life plus 100 years or less.
Holzschnitt von Wien aus der Schedel’schen Weltchronik, Blatt 98v/99r

Wir konnten durch Recherche feststellen, dass die Türken bei ihrem Eroberungsversuch 1529 schnell einen Erfolg erzielten, weil Wien keine Stadtmauern hatte. Aber wo waren die abgeblieben? Die Stadtmauern wurden um 1200 n. Chr. durch Leopold V. von Österreich finanziert, und zwar aus dem Lösegeld, das er für die Festsetzung von König Richard Löwenherz bei dessen Rückkehr aus dem Heiligen Land erhalten hatte. Wenn Wien nun „heute“ also keine Stadtmauern besitzt  bzw. diese nie gebaut wurden, wäre es möglich, dass Leopold König Richard überhaupt nicht in die Finger bekommen hat!

 

Somit war die Mission klar: König Richard Löwenherz auf seiner Reise vom Heiligen Land zurück nach England begleiten und in Österreich an die Schergen von Herzog Leopold verpfeifen. Das wird ein Spaß …

 

 

 

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