„Gangster“ erscheint doppelt – was steckt dahinter?

Im Januar 2016 erscheint mit dem Buch „Gangster – Unheimliche Unterwelt“ ein neues Quellenbuch für Cthulhu. Das Spannende daran: eigentlich sind es zwei Bücher, nämlich ein Hardcover für den Spielleiter und ein Softcover, bereinigt von Spielleiter-only-Texten, für Spieler. Ist das ein risikoreiches Experiment oder handelt es sich um eine längst überfällige Innovation? Ich kann mich nämlich an kein Quellenbuch erinnern – egal, in welchem System – in dem eine solche zweigleisige Publikationspolitik betrieben wurde. Spielleiter-Handbuch und Spieler-Handbuch, ok, gibt’s zu Hauf. Aber dabei handelt es sich in der Regel um Regelbücher (oh Gott, was für eine Stilblüte!). Aber bei einem Quellenbuch? Wäre mir neu. Aber erstmal ins Detail …

 

Der Werbetext für dieses Quellenbuch lautet wie folgt:
Gangster in den Goldenen Zwanzigern und Dreckigen Dreißigern halten die USA fest in ihrem Griff. Organisierte Bandenbosse wie Al Capone herrschen wie Könige, „freiberufliche“ Outlaws wie der Bankräuber John Dillinger ziehen eine blutige Spur des Verbrechens durch den Mittleren Westen.
Bei *CTHULHU *müssen auch die Investigatoren bei der Aufdeckung äonenalten Grauens nicht selten Verbrechen begehen. Vielleicht rettet die Tötung des Kultführers die Welt, aber für die Polizei bleibt es schlicht ein Mord. Manche Investigatoren sind sogar Mitglieder eines Verbrechersyndikats und greifen auf dessen Ressourcen zurück im Kampf gegen die Schergen des Mythos.
Ein Leben jenseits der Grenzen des Gesetzes – hier wird es in all seinen Facetten beleuchtet und spielbar gemacht.
Dabei wird nicht nur Verbrechens-Hauptstadt Chicago als besonders geeigneter Schauplatz vorgestellt, sondern auch die Zeit der Weltwirtschaftskrise in den USA (1929-35). Diese ist als atmosphärischer Hintergrund für *CTHULHU* wie geschaffen. Massenarmut und Niedergang sind der Nährboden für Verzweiflung und Gewalt.
Neben dem eingehenden Quellenteil lassen fünf Abenteuer die Spieler in eine grauenhafte Welt eintauchen, in der menschliches Verbrechen und kosmischer Schrecken aufeinandertreffen.

 

Das Hardcover für den Spielleiter kommt bei knapp 200 Seiten mit einem unschlagbaren Preis: von 19,95 € daher, das Softcover für den Spieler mit knapp 60 Seiten für 9,95 €. Hard- und Softcover sind inhaltlich identisch bis auf die Spielleiter-Tips und die 5 Abenteuer.

 

Das Inhaltsverzeichnis wurde im Pegasus-Forum bereits von Heiko „Judge“ Gill veröffentlicht und bietet eine sehr ausgewogene Mischung zwischen Quellen- und Abenteuerband:

 

Zunächst erhält der Leser einen Überblick über die Zeit der Großen Depression (1921-1929), wie es dazu kam und was dagegen unternommen wurde. Danach folgt mit der Stadt Chicago eine Beschreibung der klassischen Gangstermetropole dieser Zeit, wobei das SL-Buch noch „Schauplätze für den Hausgebrauch“ mitliefert.

 

Danach geht’s um das Erstellen passender Investigatoren aus dem Gangster-Milieu: Mögliche Berufe, Leben abseits von Legalität und Gesetz, vom Normal-Investigator zum Gangster, Aufbau eines Syndicats, „Wie man Geld macht“ und Tätigkeitsfelder. Hier bekommt der Spielleiter noch Hinweise und Infos zum Mythos im Gangster-Milieu mitgeliefert, bevor es an die Ausrüstung geht: Waffen, Autos und Ausrüstung. Der Spieler-Teil ist damit abgeschlossen, im SL-Buch folgen an dieser Stelle die besagten Abenteuer.

 

Ich finde die Herangehensweise eigentlich innovativ. Echt jetzt. Wie oft habe ich mich früher gewunden wie eine Schlange, wenn ein Spieler gerne Infos aus Quellenbuch XYZ haben wollte, ich ihm aber nicht das Buch in die Hand drücken konnte, da er ggfs. auch Dinge hätte lesen können, die er als Spieler eigentlich nicht wissen sollte – es sei denn, er wollte sich den Spielspaß verderben. Und bevor wieder eine Diskussion von SC-Wissen vs. Spieler-Wissen aufkommt – es gibt tatsächlich da draußen Spieler, die KÖNNEN das nicht trennen. Echt nicht! Und damit sprengen sie immer und immer wieder den Spielspaß der jeweiligen Runde. Daher bin ich mit dieser Art der „Doppel-Veröffentlichung“ sehr zufrieden. Ok, Sammler müssen nun zwei Werke kaufen, aber ehrlich … schau noch mal auf den Preis und sag mir, was ein Quellenbuch in diesem Umfang sonst so kostet.

 

Jetzt muss man natürlich fairerweise sagen, dass Pegasus das nötige Kleingeld hat, um so eine Aktion zu fahren. Bei meinem aktuellen Lieblings-System SPLITTERMOND würde sich eine solche Strategie vermutlich finanziell nicht stemmen lassen. Es bleibt also abzuwarten, ob Pegasus mit dieser Strategie Erfolg hat oder ob das Experiment scheitert. Ich würde mir wünschen, dass auch weitere Cthulhu-Quellenbücher so veröffentlicht würden, ich verspreche mir davon eine spannende Atomsphäre am Spieltisch, wenn der Spieler viel tiefer in die Zeit eintauchen kann als bisher – denn bisher haben die Preise der Quellenbücher und das enthaltene „Only-SL-Wissen“ den „Only-Spieler“ mit Sicherheit abgeschreckt.

 

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